Matthias Fuchs

Herr, wenn ich nur dich habe

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Regelmässig schreibt hier jemand vom Pfarrteam Rein einen besinnlichen Text in der Corona-Zeit. Hier das Wort zur aktuellen Woche.
Matthias Fuchs,







Aus Psalm 73:

1 Ein Psalm Asafs.
Gott ist dennoch Israels Trost
für alle, die reinen Herzens sind.
2 Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen;
mein Tritt wäre beinahe geglitten.
3 Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen,
da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging.
[…]
8 Sie höhnen und reden böse,
sie reden und lästern hoch her.
9 Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein;
was sie sagen, das soll gelten auf Erden.
10 Darum läuft ihnen der Pöbel zu
und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen.
[…]
23 Dennoch bleibe ich stets an dir;
denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
24 du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
25 Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
26 Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.


Liebe Leserin, lieber Leser

In diesem Psalm wird ein weiter Weg gegangen, ein Weg hin zum Glauben und zum Vertrauen. Das „Ich“ im Psalm, das da spricht, verzweifelt zuerst an der Tatsache, dass es denen, die Gott nichts nachfragen, so gut geht. Ja, dass alle auf sie hören - dass sie sprechen, wie wenn sie vom Himmel herab sprechen würden. Sie setzen sich an die Stelle von Gott und alle saugen begierig auf, was sie sagen.

Das „Ich“ wäre fast gescheitert daran, dass Gott so etwas zulässt, und war dabei, sich von Gott abzuwenden. Aber es ist in sich gegangen, hat Gottes Nähe gesucht. Und dabei ist es zur Erkenntnis gekommen, dass das Treiben, das Prahlen der Frevler nichts bedeutet. Ja, dass gar nichts etwas bedeutet, ausser seiner Verbindung mit Gott. „Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde“.

Diese grossartige Liebeserklärung eines Menschen an Gott hat offenbar besonders im Barockzeitalter, im 17. Jahrhundert, viele Musiker zu Kompositionen über diesen Psalmvers angeregt. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die Zeit besonders sensibel war für die rasche Vergänglichkeit alles Irdischen. Krankheiten und Kriege haben zu Beginn des Jahrhunderts den Optimismus der vorangehenden Renaissance verstummen lassen. Die sogenannte „kleine Eiszeit“, ein Klimawandel mit Temperaturstürzen, hat für Missernten und Hunger gesorgt. In dieser Zeit war es wichtig, sich auf das zu besinnen, was wirklich zählt und Halt gibt.

Deshalb bringen die untenstehenden Musikvorschläge für diese Woche nicht verschiedene Musikstile zu Gehör, sondern zeigen den Reichtum der Barockmusik am Beispiel einer einzigen Psalmvertonung.


Montag: Melchior Frank (1579-1639): » Herr, wenn ich nur dich habe

Dienstag: Heinrich Schütz (1585-1672): » Herr, wenn ich nur dich habe

Mittwoch: Johann Rosenmüller (1619-1684): » Herr, wenn ich nur dich habe

Donnerstag: Matthias Weckmann (1619-1674): » Herr, wenn ich nur dich habe

Freitag: Johann Martin Radeck (1623-1684): » Herr, wenn ich nur dich habe

Samstag: Johann Michael Bach (1648-1694): » Herr, wenn ich nur dich habe

Für immer, wann Sie mögen:
Friedrich Wilhelm Zachow (1663-1712): » Herr, wenn ich nur dich habe
Dietrich Buxtehude (1637-1707): » Herr, wenn ich nur dich habe

Mit diesem Blumenstrauss aus der Barockzeit verabschiede ich mich von Ihnen am Ende meiner Vikariatszeit. Gott bhüet Si!
Bereitgestellt: 13.07.2020     Besuche: 51 Monat 
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