Matthias Fuchs

Narzissus und der Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide

Tulpen<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-rein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>176</div><div class='bid' style='display:none;'>2308</div><div class='usr' style='display:none;'>30</div>

Regelmässig schreibt hier jemand vom Pfarrteam Rein einen besinnlichen Text in der Corona-Zeit. Hier das Wort vom 25. März 2020
Matthias Fuchs,
Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide;
Narzissus und der Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide.

(RG 537, Geh aus mein Herz, Strophe 2)

Liebe Leserinnen und Leser

Draussen blühen sie nun wieder, zumindest die Narzissen und Osterglocken. Aber auch die ersten Frühtulpen öffnen ihre Blütenkelche, trotz kalter Nächte. Es ist also Zeit für das Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Paul Gerhardt, der Dichter, spricht zwar von der Sommerzeit und davon, dass die Bäume schon Laub tragen. Das wäre ziemlich viel später im Jahr, sicher nach dem 20. April. Denn am 20. April, so wusste es meine Grossmutter, tragen die Bäume immer Laub. Und damit hatte sie tatsächlich jedes Jahr wieder Recht.

Aber wenn wir mit dem Betrachten der Tulpen und Narzissen so lange warten, dann haben wir die meisten davon in ihrer Blüte verpasst. Dann können wir den Vergleich mit der Seide von König Salomo nicht anstellen:

Narzissus und der Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide.

Geht es Ihnen auch wie mir? Ich frage mich beim Singen dieser Strophe immer, wie Salomonis Seide wohl ausgesehen haben mag. Prunkvoll muss sie gewesen sein. Tiefes Rot und prächtiges Gelb, vielleicht schillernd und changierend, vielleicht auch mit kunstreichen Mustern und Rankenwerk versehen. Seidenstoff, wie ihn die Welt noch nie und nie wieder gesehen hat. Und wir Nachgeborene können davon nur träumen. Aber genau wissen, wie das ausgesehen hat, das werden wir nie.

Aber – das Lied zeigt uns ja, was schöner ist als die Seide von König Salomo, nämlich Tulpen und Narzissen in voller Blüte. Und die haben wir jeden Frühling in hunderten von Gärten direkt vor unseren Augen. Warum also der Frage nach Salomonis Seide nachhängen, wenn doch das Schönere direkt vor mir steht?

Schau an der schönen Gärten Zier

wird mir da direkt zugerufen. Und anschauen sollen wir sie, um auf Gottes Gaben aufmerksam zu werden, die uns alle Morgen frisch und neu zu Teil werden. Nicht unerreichbaren Luftgespinsten wie Salomonis Seide sollen wir nachspinnen, sondern uns hier und jetzt anrühren lassen von Gott und einstimmen in den Gesang der Geschöpfe:

Ich selber kann und mag nicht ruhn:
Des grossen Gottes grosses Tun
Erweckt mir alle Sinnen,
Ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.


(RG 537, Geh aus mein Herz, Strophe 8)

(Eine ganze Seite zu «Geh aus mein Herz und suche Freud» mit gesungener Version, Mitsingversion und weiterführenden Informationen finden sie » hier.)

Raum für Ihre Reaktion

Wir freuen uns auf den ersten Beitrag.
Bereitgestellt: 25.03.2020     Besuche: 56 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch