Matthias Fuchs

All Morgen ist ganz frisch und neu

Hoffnung —  Eschenknospe<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-rein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>176</div><div class='bid' style='display:none;'>2305</div><div class='usr' style='display:none;'>30</div>

Regelmässig schreibt hier jemand vom Pfarrteam Rein einen besinnlichen Text in der Corona-Zeit.
Matthias Fuchs,
All Morgen ist ganz frisch und neu
des Herren Gnad und grosse Treu;
Sie hat kein End den langen Tag,
drauf jeder sich verlassen mag.
(RG 557, All Morgen ist ganz frisch und neu, Strophe 1)

Liebe Leserinnen und Leser

All Morgen ist ganz frisch und neu, das ist eine Beobachtung, die ich gut nachvollziehen kann. Wenn ich am Morgen früh das Fenster öffne oder vor die Türe trete, so ist es tatsächlich frisch und neu für alle Sinne, besonders jetzt, im Frühling. Frisch und kühl ist es, so meldet mein Temperaturempfinden. Neu sieht die Welt aus, wenn sie sich aus der Dämmerung schält. Frisch und munter beschallen die Vögel meine Ohren. Vor allem aber – die Welt riecht frisch und neu. Ja, das verblüfft mich immer wieder, der Morgengeruch wirkt belebend, er berauscht beinahe.

Das ist ein Moment, in dem sich die Hoffnung auf einen Neubeginn verdichtet. Die Hoffnung, auf etwas, was da kommen wird und alles neu, besser machen wird. Die Hoffnung auf die Güte und Liebe Gottes. Denn eigentlich sagt ja das Lied genau, was hier frisch und neu wird: des Herren Gnad und grosse Treu. Aber wenn ich mir vorzustellen versuche, wie sich das anfühlen könnte, dann lande ich wieder beim Morgenmoment, bei diesem Moment, wo alles frisch und neu riecht, aussieht, klingt.

Der Dichter Johannes Zwick hat sich im Jahr 1541 mit seinem Lied auf eine Passage aus den Klageliedern Jeremias bezogen:

Es sind die Gnadenerweise des HERRN, dass es nicht ganz und gar zu Ende ist mit uns, denn sein Erbarmen hat sich nicht erschöpft. An jedem Morgen ist es neu. Deine Treue ist gross! (Klgl 3,22f.)

Zwick hat das Lied nicht als Morgenlied geschrieben, sondern als Trostlied einem Buch beigegeben, das bei der Vorbereitung aufs Sterben helfen sollte. Dies in einer Zeit, die von Epidemien gezeichnet war. Er selbst hatte 1540 eine erste Welle der Pest überlebt, 1541 eine zweite, nur um ihr dann 1542 in Bischofszell doch noch zu erliegen. Er hatte dort die verwaiste Pfarrstelle als Stellvertreter übernommen, um der krankheitsgeplagten Bevölkerung Trost und Rat zu geben.

Sein Lied aber besingt trotz oder vielleicht gerade wegen dieses Hintergrundes den Neubeginn, den Morgen. Und dasselbe tun die Klagelieder, wenn sie sagen, dass es mit uns nicht zu Ende ist. All Morgen ist ganz frisch und neu, des Herren Gnad und grosse Treu.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie das an den kommenden Frühlingsmorgen auch erleben und erfahren können.


(Aufnahmen von All Morgen ist ganz frisch und neu finden Sie auf youtube, zum Beispiel eine » Version mit Gemeindegesang und Solisten.)

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Bereitgestellt: 20.03.2020     Besuche: 69 Monat 
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