Matthijs van Zwieten de Blom

Zum Jahreswechsel: Von Frieden und Streit, Zweifel und Glaube, und allem voran von der Liebe

Pfarrhaus mit Regenbogenfahne(1)<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-rein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>18</div><div class='bid' style='display:none;'>2279</div><div class='usr' style='display:none;'>5</div>

Suche Frieden und jage ihm nach (Psalm 34, 15)

Das war die Jahreslosung des vergangenen Jahres 2019. Haben Sie Frieden gefunden? Ich muss ehrlich sagen: ich habe mehr Streit als Frieden gefunden. Und vermutlich habe ich selbst auch kräftig zur Vermehrung des Unfriedens beigetragen. Für mich müsste die Jahreslosung noch ein Jahr länger gelten.
Matthijs van Zwieten de Blom,
Vor allem in einer Sache sind in der Reformierten Kirche der Schweiz Konfliktlinien aufgebrochen. Am 5. November letztes Jahr hat der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) beschlossen, die Einführung der sogenannten «Ehe für alle» auf staatlicher Ebene zu unterstützen und den Kantonalkirchen zu empfehlen, in der Folge die kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare zuzulassen. Im Vorfeld dieser Entscheidung ist eine für unser Land untypisch emotionale, sehr kontroverse Diskussion entbrannt. Und dieser Streit ist noch nicht vorüber. Denn in den Kantonalkirchen muss im Verlauf des Jahres konkret beschlossen werden, ob und wie die Trauung für gleichgeschlechtliche Paare umgesetzt werden soll.

Im Februar werden wir in der Schweiz über die Erweiterung der Rassismus-Strafnorm um das Kriterium der sexuellen Orientierung abstimmen. Auch da geht es um Männer, die auf Männer stehen, und Frauen, die Frauen lieben, oder beides. Es geht um die Frage, ob allgemeine Hetze und der Aufruf zu Hass und Diskriminierung gegen diese Menschen künftig strafbar sein soll. Auch bei dieser Frage herrscht innerhalb der christlichen Gemeinschaft in der Schweiz keine Einigkeit. Die einen sehen in der Vorlage das Ende der Meinungsfreiheit, andere (ich zum Beispiel) fragen sich, wie man etwas dagegen haben kann, Minderheiten vor Hass und Hetze zu schützen.

Es stehen also betreffend Umgang mit Menschen, die anders lieben, als die Mehrheitsbevölkerung, einige wichtige Entscheidungen an. Und ausgerechnet dieses Thema löst in der Kirche einen so emotionalen Streit aus. Ich hoffe inständig, dass wir einen Weg finden, die Auseinandersetzung in Bahnen zu lenken, die nicht zerstören, sondern das künftige Miteinander stärken. Denn eines ist zu bedenken: Zur Reformierten Kirche gehören alle: Feurig Glaubende, Zweifler, Distanzierte, Engagierte, Konservative, Progressive, solche, die meinen, Gott würde Homosexualität verabscheuen, und jene, die schon immer für mehr Offenheit waren. Und es gehören Heterosexuelle und Homosexuelle und Bisexuelle und alle möglichen Queeren Menschen auch zur Reformierten Kirche – wenn sie ihr denn nicht längst den Rücken zugekehrt haben, weil wir es ihnen in der Vergangenheit wahrlich nicht leicht gemacht haben, sich als von Gott angenommen zu erfahren.

Meine Position in dieser Auseinandersetzung ist kein Geheimnis. Am Pfarrhaus Rein hängt eine Regenbogenfahne als Zeichen meiner Überzeugung, dass Gottes Schöpfung die Buntheit der Liebe einschliesst und dass sein Segen nicht von der sexuellen Orientierung der Menschen abhängig ist. Gleichzeitig setze ich mich aber auch stark dafür ein, dass dieser Streit, der nun mal gestritten werden muss, nicht zu einer Spaltung der Kirche führt. Wir müssen lernen, trotz der unterschiedlichen Überzeugungen, miteinander zu reden, einander zuzuhören und zu verstehen suchen, warum der oder die andere anders denkt als ich selbst. Wir müssen Differenzen aushalten, im besten Fall als Bereicherung annehmen, auf jeden Fall aber als Varianten, die nicht zum Ausschluss aus der Gemeinschaft führen dürfen.
Es ist ein schwieriger Weg. Und bisweilen können einem Zweifel kommen, ob es möglich ist, auf gute Weise trotz aller Unterschiede in derselben Kirche zu leben, zu dienen, zu glauben, zu feiern. Da mag die Jahreslosung 2020 Inspiration und Ermutigung sein:

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! (Markus 9,24)

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Jahr 2020!


Weitere Informationen und einen kleinen
Film zur Regenbogenfahne am Pfarrhaus finden Sie » auf meinem Blog.
Bereitgestellt: 26.12.2019     Besuche: 111 Monat 
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