Lotti Härdi

Wir hatten Besuch

Einer der Höhepunkte war der Besuch des FIFA-Hauptsites in Zürich.  —  Abiud ist – wie fast alle Kongolesen – sehr fussballbegeistert.<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-rein.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>80</div><div class='bid' style='display:none;'>2111</div><div class='usr' style='display:none;'>2</div>

Abiud, ein junger Mann aus Kongo, Kinshasa,
war für ein paar Tage zu Gast im Pfarrhaus Rein. Die Woche davor war er in Basel an der Synode der Mission 21. Abiud vertrat dort die Jugend des afrikanischen Kontinents, jedenfalls der Länder, in denen die Mission 21 Partnerkirchen hat. An der Missionssynode treffen sich jährlich Vertreter aus Asien, Lateinamerika und Afrika mit den Vertretern aus der Schweiz, Süddeutschland und dem Elsass. Sie reden und beschliessen darüber, wie die (immer knapperen) finanziellen Mittel am sinnvollsten eingesetzt werden sollen. Sie tauschen sich aus über die Herausforderungen, die den verschiedenen Kirchen in den unterschiedlichen Ländern begegnen, sie ermutigen sich gegenseitig und am Ende feiern sie einen festlichen Gottesdienst und empfangen den Segen für die Kirchen in ihren Heimatländern und deren Dienst an den Menschen dort.

Für Abiud was es das erste Mal, dass er in seinen 28 Jahren sein Heimatland verlassen hatte. Er blieb noch ein paar Tage länger in der Schweiz, um vertiefter in den kulturellen Austausch eintauchen zu können. Er war äusserst neugierig und lernwillig. Er wollte alles wissen über den Gebrauch von Maschinen in der Landwirtschaft, über die Gleichberechtigung der Geschlechter und über die unterschiedliche Art, Gottesdienste zu feiern. Er wunderte sich, dass bei uns nach dem Beginn des Gottesdienstes die Kirchentüren geschlossen werden. Das wäre in Kongo undenkbar, weil dauernd noch Leute reinkommen – oder rausgehen. Wir führten sehr interessante Gespräche über die Auslegung einiger Bibelstellen oder über die Bedeutung von Träumen. Abiud ist überzeugt, dass Gott durch Träume zu den Menschen spricht. Ich erklärte, dass wir da meistens eher zurückhaltend sind und die Deutung von Träumen lieber den Psychologinnen und Psychologen überlassen.

Bei allen Unterschieden war für mich das Eindrücklichste zu erkennen, dass wir beide, und also wir alle, die christlichen Kirchen und Gemeinschaften in der Schweiz und auf der ganzen Welt, auf eine geheimnisvolle, aber doch sehr wirkungsvolle Art Teil des einen Leibes Jesu Christi sind. Alles, was in Afrika oder wo auch immer in den Kirchen oder mit den Kirchen geschieht, betrifft uns und geht uns etwas an. Und umgekehrt. Es erfüllt viele afrikanische Christen – auch Abiud – mit Sorge, dass in Europa der Glaube nur noch ein Nischendasein im Privatleben der Menschen fristet. Ob denn die Kirche bei uns sterben wird, wollte er wissen. Das glaube ich nicht. Aber vielleicht werden wir einmal dankbar sein für unsere Partnerkirchen in anderen Teilen der Welt, die uns den christlichen Glauben wieder neu vermitteln können.

Matthijs van Zwieten de Blom
Bereitgestellt: 03.07.2019     Besuche: 30 Monat 
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