Lotti Härdi

Abschieds- und Verabschiedungsgottesdienst von Pfr. Urs Klingler

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Sonntag, 10. Juni 2018, 9.30 Uhr, Kirche Rein
Mitwirkung: Gemischter Chor Villigen
Anschliessend Apéro
Gedanken zum Abschied

Mit dem Lied 843 aus unserem Gesangbuch möchte ich meine Abschiedsgedanken mit euch teilen: «Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist.» Neue Wege liegen nun vor uns, vor jedem einzelnen, auch vor mir, aber auch vor euch als Kirchgemeinde Rein. Der Blick geht aber erst einmal zurück auf gute dreissig intensive Jahre, die ich hier in Rein gearbeitet habe.
Das bedeutet für euch und für mich, Abschied zu nehmen. Und ich gebe gerne zu, dass es für mich nicht nur ein leichter Abschied ist, denn in diesen vielen Jahren sind viele wertvolle Beziehungen
gewachsen.

In meiner Zeit hier habe ich mich dafür eingesetzt, dass sich unsere Kirchgemeinde entwickeln kann als Gemeinde, die offen ist für andere, die einladend ist für Menschen aller Art, die Annahme
praktizieren will einfach deshalb, weil Jesus uns angenommen hat. So sind wir viele Wege miteinander gegangen, altvertraute Wege, neue Wege, begeisternde Wege, zähe Wege, erfolgreiche Wege, anstrengende Wege, konfliktreiche Wege, holprige Wege, traurige Wege. Und auf allen diesen gemeinsamen Wegen waren wir nie allein.

Denn Gott, darauf vertraue ich, führt alle unsere Wege.

Auf vielen der Wege meiner Zeit hier in Rein habe ich Gottes Hilfe gespürt und erfahren und vertraue darauf heute umso mehr. Für mich ist es wichtig, diese gemeinsame Zeit zu schätzen und dankbar dafür zu sein. Ich möchte auch an mich heranlassen, dass jetzt etwas zu Ende geht, das schon von seiner Dauer her mehr als alles andere mein Leben geprägt hat: 40 Jahre Tätigkeit als Pfarrer in einer Kirchgemeinde, 30 davon hier. Meine aktive Berufszeit ist unwiederbringlich vorbei.
Schon äusserlich zeigt sich das daran, dass Pfarrerinnen und Pfarrer in unserer Kirche mit 65 ihre Wählbarkeit für ein Gemeindepfarramt verlieren.
Ein solcher Rückblick lässt Wehmut aufkommen. Doch ich denke, liebgewonnene Beziehungen hören nicht ganz auf, aber wir werden uns in Zukunft viel weniger oft sehen. Andererseits erfüllt mich der Blick auf die vergangenen drei Jahrzehnte mit Dankbarkeit. Ich bin dankbar für alles, was ihr mir gewesen seid und was ich euch sein durfte. Zu einem Abschied gehört auch, ehrlich zu sein. Jeder von uns ist Mensch genug, um zu wissen, dass wir alle nicht vollkommen sein können. Niemand von uns hat das Ziel schon erreicht, sondern wir sind alle noch unterwegs. Ich weiss um meine eigenen Schwächen und Stärken. Ich bin Gott dankbar für alles, was ich euch geben konnte, und
hoffe, dass ich nicht allzu viele von euch durch meine Fehler verletzt und enttäuscht habe. Wo es geschehen ist, bitte ich die betroffenen Menschen um Vergebung.
So ein Abschied lässt uns auch fragen, worum es eigentlich geht. Und keiner hat es meines Erachtens so treffend ausgedrückt wie Johannes der Täufer: «Ich muss abnehmen, er (Jesus) aber muss zunehmen.» Letztlich geht es nur um den Einen. Unser Menschsein und Christsein geht schief, wenn wir uns selbst zu wichtig nehmen.

«Vertraut den neuen Wegen.» Jesus Christus lädt uns auf den Weg mit ihm ein und ist auch selbst der Weg. Ihm soll unser ganzes Vertrauen gehören. Dieser Blick auf Jesus Christus als Grund unseres Vertrauens und Hoffens und der Auftrag, Botschafter dieses wunderbaren Weges zu sein, wird uns weiterhin verbinden. Denn auch wenn wir Abschied nehmen, gehen wir ja weiter diesen Weg, nur jetzt an unterschiedlichen Orten. In einer Welt der Mobilität wird es den einen oder anderen immer mal an neue Orte verschlagen. Aber wo auch immer wir sind, werden wir hoffentlich treu auf dem Weg des Vertrauens auf Gott bleiben.

Abschied tut weh, aber in jedem Abschied liegt auch wieder eine neue Chance. Das gilt für mich, die ich nun in meinen Alterssitz nach Küssaberg wechsle, aber genauso auch für euch: Ich bitte euch, den neuen Kollegen oder die neue Kollegin von Matthijs herzlich aufzunehmen, wertzuschätzen und ihr oder ihm die gleiche Unterstützung zukommen zu lassen, wie ich sie von euch erhalten habe. Ich glaube, dass ihr euch auch in Zukunft glücklich schätzen könnt, weil Jesus der Wegbereiter ist, der genau weiss, was seine Gemeinde braucht. Vertraut den neuen Wegen und bleibt in der Liebe.

Es bleibt, uns «Lebewohl» zu sagen,
uns Gottes weiser Leitung anvertrauen.
Getrost mit Gott den Abschied neu zu wagen,
der Herr gibt Kraft, ins neue Leben froh zu schauen.

Ich danke euch allen für eure je eigene Verbundenheit zu mir.
Urs Klingler
Bereitgestellt: 05.06.2018     
aktualisiert mit kirchenweb.ch